Kategorien
Lernen Potenzialentfaltung

Lernen im Zeitalter von www und KI

Kompetenzen im digitalen Zeitalter

Der vorliegende Text basiert auf einem intensiven Austausch zur KI mit der KI, mit Schülern unserer Oberstufe und Eltern. Im folgenden Video wurde die KI beauftragt, eine Botschaft an die Eltern unserer Schüler zu richten:

In einer Welt, die von technologischen Umbrüchen und schnellen Veränderungen geprägt ist, müssen wir uns nicht nur fragen, wie wir mit diesen Entwicklungen umgehen, sondern auch, wie wir sie aktiv gestalten können. Der technologische Fortschritt, insbesondere durch die künstliche Intelligenz, bietet uns sowohl enorme Chancen als auch Herausforderungen – gerade in der Bildung. Dieser Blogbeitrag richtet sich an Eltern und Jugendliche, um Orientierung und Handlungsimpulse für den bewussten Umgang mit KI zu geben.

Chancen der KI für Bildung und Gesellschaft

Die KI ermöglicht uns Zugang zu einer riesigen Wissensbibliothek. Informationen sind nur wenige Klicks entfernt, und berechenbare, sich wiederholende Aufgaben können effizient von Maschinen ausgeführt werden. Dies bietet uns die Gelegenheit, unsere Energien auf das zu lenken, was Maschinen nicht leisten können: kreative, emotionale und soziale Kompetenzen. Dabei ist insbesondere die Kreativität eine Schlüsselkompetenz, die uns als Menschen einzigartig macht. Während KI auf die Kombination bestehender Informationen beschränkt ist, können wir vollkommen neue Verbindungen schaffen und Ideen entwickeln, die weit über das hinausgehen, was linear-logisches Denken ermöglicht.

Für die Bildung bedeutet das:

  • Personale Kompetenzen wie Selbstwahrnehmung, Reflexion und intrinsische Motivation rücken ins Zentrum.
  • Soziale Kompetenzen wie Empathie und Teamfähigkeit werden wichtiger denn je.
  • Methodenkompetenzen, darunter kritisches Denken und die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, sind essenziell, um KI sinnvoll und verantwortungsvoll zu nutzen.
  • Kreative Kompetenzen, die es ermöglichen, neue Verbindungen zu schaffen und innovative Ideen zu entwickeln, werden zu einer zentralen Stärke in einer Welt, in der Maschinen vor allem linear-logisch arbeiten.

Eine gut genutzte KI kann den Lernprozess bereichern und individuell unterstützen – etwa durch personalisierte Lernangebote oder die schnelle Verfügbarkeit von Hintergrundinformationen. Sie kann als Assistent agieren, der uns hilft, unsere Ziele besser zu erreichen.

Herausforderungen und Risiken im Umgang mit KI

Doch wo Chancen liegen, gibt es auch Risiken. Wenn wir nicht wissen, wer wir sind, was wir fühlen und was wir brauchen, besteht die Gefahr, dass wir die Verantwortung für unser Leben der KI überlassen. Hier sind die größten Herausforderungen:

  1. Abhängigkeit und Verlust der Eigenverantwortung: KI kann Entscheidungen vorschlagen oder sogar treffen. Ohne kritisches Hinterfragen riskieren wir, unser Bauchgefühl und unsere Autonomie zu verlieren.
  2. Falsche Informationen: KI greift auf Datenbanken und Algorithmen zu, die fehlerhaft oder voreingenommen sein können. Der bewusste Umgang mit verschiedenen Quellen ist daher unabdingbar.
  3. Verlust zwischenmenschlicher Beziehungen: Durch die intensive Nutzung digitaler Technologien besteht das Risiko, dass die Pflege von Beziehungen zu lebendigen Wesen in den Hintergrund gerät.

Grundsätze für den bewussten Umgang mit KI

Um Chancen zu nutzen und Risiken zu minimieren, haben wir folgende Prinzipien entwickelt:

  1. Ich entscheide selbst, was richtig ist und was nicht.
    • Vertraue dir selbst und deiner Wahrnehmung.
    • Denke kritisch nach und hinterfrage Informationen – auch die von KI.
    • Nutze verschiedene Quellen, um ein umfassendes Bild zu erhalten.
    • Höre auf dein Bauchgefühl und lasse dich nicht ausschließlich von äußeren Impulsen leiten.
  2. KI ist ein Berater, kein Entscheider.
    • Nutze KI als Werkzeug, das dir hilft, aber lasse dich nicht von ihr kontrollieren.
    • Stelle die richtigen Fragen und behalte die Kontrolle über deine Entscheidungen.
  3. Pflege Beziehungen mit lebendigen Wesen.
    • Technik kann zwischenmenschliche Beziehungen unterstützen, aber niemals ersetzen.
    • Priorisiere echte Begegnungen und Austausch mit anderen Menschen.
  4. Bewusste Nutzung und Digital Detox.
    • Gönne dir Pausen von digitalen Medien und finde einen gesunden Ausgleich.
    • Nutze KI gezielt und lasse dich nicht in endlose Nutzungsspiralen ziehen.

Die besondere Rolle von Kreativität und Inspiration

Eine Dimension, die uns als Menschen von der KI unterscheidet und für die Zukunft unverzichtbar ist, ist unsere Kreativität und Inspirationsfähigkeit. Während KI lineare Muster erkennt und vorhandenes Wissen kombiniert, sind Menschen in der Lage, Sinneshorizonte zu überschreiten und etwas völlig Neues zu schaffen.

Warum ist das wichtig?

  • Kreativität verbindet Gedanken, Ideen und Perspektiven, die vorher nicht verbunden waren.
  • Inspiration entspringt oft aus komplexen, nicht-linearen Prozessen, die Intuition, Emotionen und Erfahrungen einschließen.
  • Solche Prozesse helfen uns, nicht nur Probleme zu lösen, sondern auch Sinn und Bedeutung in einer zunehmend automatisierten Welt zu finden.

Die U-Theorie von Otto Scharmer bietet hier ein spannendes Fundament. Sie beschreibt, wie Transformation und Innovation durch das Loslassen alter Muster, das Eintauchen in einen offenen, reflexiven Raum und das Erschaffen neuer Möglichkeiten geschehen. In der Bildung könnte dies bedeuten, dass wir nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Raum für Reflexion, Experimentieren und kreatives Denken schaffen.

Wichtige Kompetenzen für das digitale Zeitalter

Um gut mit den Veränderungen umgehen zu können, brauchen wir neue Fähigkeiten, die bisher in der Schule oft zu kurz gekommen sind:

  • Selbstwahrnehmung: Verstehe, wer du bist, und erkenne, was dich antreibt.
  • Selbstreflexion: Halte inne, um Gedanken und Handlungen zu überprüfen.
  • Disziplin und intrinsische Motivation: Bleibe auch bei Rückschlägen an deinen Zielen dran.
  • Empathie: Verstehe dich selbst und andere besser, um respektvoll miteinander umzugehen.
  • Mut zum Scheitern: Lerne, Fehler als Teil des Wachstumsprozesses anzunehmen.
  • Kreativität und Inspiration: Entwickle Ideen, die über das Bekannte hinausgehen, und finde innovative Lösungen.

Handlungsimpulse für Eltern und Jugendliche

  • Für Eltern: Ermutigen Sie Ihre Kinder, eigenständig zu denken und zu handeln. Seien Sie ein Vorbild im reflektierten Umgang mit digitalen Technologien und schaffen Sie Raum für Diskussionen. Fördern Sie auch kreative Aktivitäten und schaffen Sie Gelegenheiten, in denen Ihre Kinder inspiriert werden können und ihre schöpferischen Fähigkeiten entfalten können.
  • Für Jugendliche: Probiert aus, wie ihr KI sinnvoll nutzen könnt. Bleibt neugierig, hinterfragt kritisch und vertraut auf eure eigene Wahrnehmung. Nutzt kreative Freiräume, um Neues zu erschaffen und eure Inspirationsfähigkeit zu stärken.
  • Gemeinsam: Schulen, Eltern und Jugendliche sollten einen offenen Dialog über den Umgang mit KI führen. Die Schule kann ein Ort sein, an dem Kompetenzen wie Reflexion, Verantwortung, Empathie und kreative Inspiration aktiv gefördert werden.

Fazit

Die KI ist ein Werkzeug, das uns ungeahnte Möglichkeiten bietet – aber nur, wenn wir bewusst und reflektiert mit ihr umgehen. Die Zukunft wird von denen gestaltet, die bereit sind, Eigenverantwortung zu übernehmen, kritisch zu denken und sich immer wieder auf das Wesentliche zu besinnen: auf das, was uns als Menschen ausmacht. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, diese Prinzipien zu leben und die Potenziale der KI verantwortungsvoll zu nutzen.

Kontakt aufnehmen

Kategorien
Lernen Potenzialentfaltung

Lernen mit Hirn

Warum Beziehung die Basis für Lernen ist

Die Erkenntnisse der Neurobiologie legen ein grundsätzliches Umdenken in unserem Bildungssystem nahe. Zentral ist dabei die Erkenntnis, dass erfolgreiches, intrinsisch motiviertes Lernen auf der Basis von gelingenden Beziehungen stattfindet.

In den letzten 30 Jahren hat die Neurobiologie, umgangssprachlich «Hirnforschung» einige bahnbrechende Erkenntnisse zu Tage gebracht, welche für alle Lebensbereiche, aber insbesondere für unser Schulsystem essenziell sind. Vereinfacht erklärt schält sie, ausgehend von Experimenten und der Anatomie des Gehirns, ein paar wenige Grundbedürfnisse heraus, welche alle Menschen gemeinsam haben: Sicherheit, Verbundenheit und Autonomie. Dies entspricht im weitesten Sinne auch der Maslow’schen Bedürfnispyramide, welche bereits einiges älter ist.

Die Hierarchie der Bedürfnisse

Wichtig dabei zu wissen – und genauer betrachtet logisch –  ist es, dass die oben genannten Bedürfnisse einer Hierarchie unterliegen, oder besser gesagt eine klare Prioritätenreihenfolge einnehmen. Wenn ein Mensch um sein Überleben kämpfen muss, so setzt er sämtliche ihm verfügbaren Ressourcen dafür ein. Wenn aber sein Überleben gesichert ist, dann fokussiert er sich mehr und mehr auf den sozialen Aspekt seiner Umgebung, auf Beziehungen und die Gemeinschaft. Und wenn er sich in der Gemeinschaft aufgehoben fühlt, dann beginnt der Mensch zu handeln, wird unternehmenslustig und verfolgt Projekte. Dies lässt sich bei Kindern vortrefflich beobachten: Sobald sie sich in einer Gruppe wohl fühlen, beginnen sie zu spielen und die Welt zu erforschen.

Die Hierarchie im Gehirn

Die oben beschriebene Hierarchie lässt sich auf der Ebene des Gehirns klar zuordnen. Während des Stammhirn bei der ganzen Fauna vorhanden und für das Überleben zuständig ist, ist die Funktion des limbischen Systems das Fühlen und findet sich bei Säugetieren, Vögeln und Reptilien. Der Frontallappen ist unter anderem für das Problemlösen und Lernen zuständig und findet sich in grosser Ausprägung beim Menschen (30%). Nur wenige andere Säugetiere haben einen grossen Frontallappen, wobei dieser weit unter der Grösse jenes des Menschen ist. Ausschliesslich beim Menschen zu finden ist der präfrontale Kortex, welcher als Sitz des Bewusstseins gilt und entscheidend ist für das Lernen. Er ist nämlich für die Fähigkeit zur Reflexion zuständig und ermöglicht Veränderung.

Sicherheit im Schulalltag

Das erste Bedürfnis eines Menschen ist Sicherheit und Orientierung. Durch eine klare Wochen- und Tagesstruktur, gemeinsam definierte Regeln und individuelle Ziele kann ein solcher Rahmen geschaffen werden. Genauso wichtig ist die emotionale Sicherheit: Lernbegleiter sollten im Rahmen ihrer Rolle ein hohes Mass an Präsenz, Empathie und Konfliktfähigkeit aufbringen können. Bedingungslose Akzeptanz des Schülers und all seiner Gefühle sind hierzu der wichtigste Schlüssel. Zugegebenermassen eine Herausforderung, welche eine hohes Mass an Selbstbewusstsein des Lernbegleiters erfordert.

Zugehörigkeit im Schulalltag

Wir sind soziale Wesen und haben das Bedürfnis, gesehen, akzeptiert und anerkannt zu werden. Deshalb müssen die Beziehungen und die Gemeinschaft das Fundament einer Schule bilden und in diesen Bereich soll genügend Zeit und Energie investiert werden. Erfahrungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche über sich hinauswachsen, wenn sie sich in der Gruppe dazugehörig und akzeptiert fühlen.

Autonomie im Schulalltag

Menschen, die sich sicher und dazugehörig fühlen, wollen die Welt gestalten und selbst Entscheidungen fällen. Um dies zu tun bzw. üben zu können, brauchen sie dementsprechende Freiheiten und Herausforderungen sowie die Möglichkeit, ihr Umfeld mitzugestalten. Die Konsequenz ist, dass Kinder und Jugendliche nicht nur den Inhalt, sondern auch die Ziele und Strukturen ihrer Lernumgebung beeinflussen können müssen.

Reflexion

Das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, Muster zu erkennen und auf andere Bereiche der Welt zu übertragen, spielt sich im präfrontalen Kortex ab und wird erst mit der zunehmenden Entwicklung gebildet. Gleichzeitig ist es ein fundamentaler Aspekt für das (effektive) Lernen. Die Fähigkeit zur Reflexion nimmt somit einen wichtigen Stellenwert ein und kann bereits sehr früh, beispielsweise in der Mathematik entdeckt und gefördert werden.

Umsetzung mit Hirn

Für die Gestaltung einer Schule (und sämtlicher anderer Organisationen) lässt sich schlussfolgern, dass äussere und emotionale Sicherheit genauso wie gesunde Beziehungen und Gemeinschaft notwendige Bedingungen sind, dass ein effektives (und intrinsisches) Lernen möglich ist. Können wir eine solche Umgebung nicht ermöglichen, bleibt nur der (klassische) Weg über Belohnung und Strafe, sprich der Ansatz über das Stammhirn, die „Überlebenszentrale“ des Menschen, um einen Lernprozess zu gestalten. Dies benötigt jedoch ständig ein grosses Mass an Energie.

Wandel in der Bildung?

Die erläuterten Erkenntnisse stossen bei vielen Menschen im Bildungssystem auf offene Ohren und wir freuen uns, schrittweise Veränderungen in der Pädagogik beobachten zu können. Als Privatschule haben wir die Möglichkeit, die Schlussfolgerungen aus der Neurobiologie zeitnaher und konsequenter im Alltag umzusetzen. Im Wissen, dass dies Neuland ist für uns als Gesellschaft und wir täglich dazulernen.

Autor: Patrick Pierer

Kontakt aufnehmen